Tarifverträge sind rechtsverbindlich, solange sie den gesetzlichen Mindeststandards entsprechen. Sie werden in der Regel auf Branchenebene von der zuständigen Gewerkschaft und dem Arbeitgeberverband abgeschlossen und decken daher einen Zweig (oder Teile davon) und entweder eine Region oder das gesamte Land ab. Manchmal finden aber auch Tarifverhandlungen auf Unternehmensebene statt. 1999 fielen 8 % der Beschäftigten in Westdeutschland und 11 % der Beschäftigten in Ostdeutschland unter einen unternehmensbasierten Tarifvertrag (Quelle: IAB Betriebspanel). Tarifverträge sind für Die Mitglieder der jeweiligen Gewerkschaft und des Arbeitgeberverbandes immer verbindlich. Sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind, kann die Bindungsbefugnis auf alle Mitarbeiter der Niederlassung in der jeweiligen Region ausgedehnt werden. 1999 waren 65 % der Beschäftigten in Westdeutschland und 46 % der Beschäftigten in Ostdeutschland durch einen Branchentarifvertrag abgedeckt (Quelle: IAB-Betriebspanel). Die Gewerkschaften spielen auf dem schwedischen Arbeitsmarkt eine traditionell starke Rolle. Das Recht, Mitglied einer Gewerkschaft zu werden, ist im Mitbestimmungsgesetz geregelt. Seit dem Saltsjöbadsavtalet-Abkommen von 1938 haben Gewerkschaften und Arbeitgeber das Recht, Löhne und Arbeitsbedingungen in Tarifverträgen auszuhandeln. Die wichtigsten Quellen des Arbeitsrechts sind Bundesrecht, Tarifverträge, Werkverträge und Rechtsprechung. Es gibt kein einziges konsolidiertes Arbeitsgesetzbuch; Mindestarbeitsnormen sind in gesonderten Gesetzen über verschiedene arbeitsbezogene Fragen festgelegt, die durch die Verordnungen der Regierung ergänzt werden.

Tarifverhandlungen finden in der Regel im Frühjahr statt. Die meisten Abkommen haben eine Zeit von einem bis drei Jahren. Die letzte große Verhandlungsrunde fand 2017 statt, als 511 der rund 670 Tarifverträge neu verhandelt wurden, von denen rund 2,4 Millionen Arbeitnehmer betroffen waren. Die nächste wird 2020 sein und rund 2,8 Millionen Arbeitnehmer betreffen (Nationales Vermittlungsbüro, 2019). Ist ein Betriebsrat vorhanden, so ist der Arbeitgeber verpflichtet, ihn vor jedem Kündigungsfall entweder mit oder ohne Vorankündigung zu konsultieren, auch wenn die Antwort des Rates für den Arbeitgeber nicht bindend ist. Der Betriebsrat hat bei einer summarischen Kündigung eine Frist von drei Tagen und bei gewöhnlicher Kündigung eine Woche Zeit, um Vorbehalte schriftlich zu vereinbaren oder zu erklären, andernfalls wird eine Vereinbarung gesetzlich vorausgesetzt. Eine Kündigung ohne ordnungsgemäße Anhörung des Betriebsrats ist unwirksam. Die Tarifverhandlungen sind durch das Tarifvertragsgesetz geregelt, das jedoch keine bestimmte Struktur der Tarifverhandlungen vorschreibt. Das Industrial Cooperation and Negotiation Agreement (Industriavtalet) hat seit 1997 die Norm für Löhne in Tarifverträgen festgelegt. Mit dem Abkommen soll sichergestellt werden, dass die Löhne auf einem Niveau gehalten werden, das der schwedischen Produktivität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Rechnung trägt.